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AKTUELLER BLOG

Spanien

Fr. 09.05.2025 – Mallorca, das 17. deutsche Bundesland

Als wir in Porto Colom angekommen sind haben wir uns noch über die kleinen “Fischerbojen“ gewundert, die scheinbar unmotiviert  auf den besten Ankerplätzen gehangen sind. Am Freitag wussten wir dann wieso, denn ein Marinero der hiesigen Marina ist mit seinem kleinen Motorboot gekommen und hat anstatt der kleinen Schwimmkörper anständige große gelbe Mooringbojen montiert. Netterweise hat er uns mitgeteilt, dass wir dort noch bis Sonntagabend ankern dürfen. Ab Montag sind dann die kostenpflichtigen Bojen zu benutzen.

Porto Colom
Mooringbojen
unser 2.Ankerplatz
just fun
Wassertaxi

Wir haben jedoch freiwillig bereits Samstagfrüh den Ankerplatz gewechselt, denn in der Nacht hat mal die rechte und dann wieder die linke Boje geräuschvoll an unsere Bordwand geklopft (tja, das ist eben das Problem wenn man vor Anker schwojt). Jetzt ankern wir halt etwas näher beim Leuchtturm und der Einfahrt, aber dafür vor einem tollen Sandstrand. Am Wochenende war dieser zwar relativ voll, aber da das Wasser doch noch erfrischend ist, waren nicht allzu viele schwimmen.  Unter der Woche war dann fast gar nichts los. Wir sind zwar jeden Tag an Land gefahren und waren essen oder einkaufen, wollten aber aufgrund des unbeständigen Wetters und der stark drehenden und teilweise doch sehr heftigen Winde unser Schiff nicht mehrere Tage alleine lassen und haben somit immer die Wetterkarten studiert um zumindest zwei Tage sicher das Schiff verlassen zu können.

Olivenhain
Faro de Capdepera

Am Dienstag sind wir dann zur Autovermietung gepilgert und haben uns einen fahrbaren Untersatz besorgt. In Porto Colom sind zwar auch eine Menge Touristen, aber bereits in Porto Cristo haben wir einen Vorgeschmack auf den Rest der Insel bekommen. Bei den Tropfsteinhöhlen Cuevas del Drach waren mindestens sechs Ausflugsbusse und Menschenmassen, bei einer Wartezeit von mindestens 30 Minuten. Wir haben nur ganz kurz überlegt und festgestellt, dass wir uns nicht wie in einer Viehherde durch die sicherlich  imposante Unterwelt treiben lassen wollen und sind lieber in einer gemütlichen Bar auf einen Cafe Cortado gegangen. Je weiter wir in den Norden der Insel gekommen sind, desto mehr Touristenburgen sind wie die Schwammerln auf jedem nur möglichen Platz aus dem Boden gewachsen. Das Mallorca, dass wir von vor achtzehn Jahren noch kennen, gibt es nur mehr im Landesinneren.  Im Nordosten der Insel, in Capdepera haben wir natürlich auch das Kastell besichtigt und haben uns auf dem wöchentlichen Bauernmarkt von den Genüssen der Insel verführen lassen. Dann sind wir ins beschauliche Artà gefahren und sind in den schattigen kleinen Gassen flaniert. Im Naturschutzgebiet von Albufera hat uns dann ein Regenschauer die Lust auf eine ausgedehnte Wanderung verdorben und wir sind über Alcúdia direkt zum Sonnenuntergang am Cap de Formentor gedüst. Leider war es doch zu bedeckt für den perfekten Sonnenuntergang, aber trotzdem sehr beeindruckend durch die imposanten Klippen vor uns und den steilen Bergen rundherum. Am nächsten Tag ging es dann über Inca die gewundenen Bergstraßen quer durch die Sierra de Tramontana bis nach Sóller.

Unmengen an Radfahrern
Traffic jam
Cap Formentor
Mirodor es Colomer
alte Kirche

Da am Sonntag (10.5.2025) der Iron Man-Mallorca stattfindet und im allgemeinen der Radtourismus um diese Jahreszeit hier sehr beliebt ist, quälen sich jeden Tag hunderte Rennradfanatiker aus aller Herren Länder die Bergstraßen rauf und runter. Aber Hut ab, bergauf fahren einige bis zu 30km/h (ohne Motorunterstützung) und bergab lassen sie es so richtig rollen mit teilweise über 60 km/h. Da muss man dann auch als Autofahrer sehr aufpassen, denn teilweise kommen sie bis auch auf die Gegenspur und auch beim Überholen von bergauffahrenden Radlern muss man sehr genau schauen, ob nicht so ein „Geschoss“ um die nächste Kehre schießt. Von Port Sóller waren wir richtig geschockt. Damals hat es nur eine kleine Marina mit zwei kleinen Stegen gegeben und man konnte im Rest der Bucht wunderbar ankern, heute ist die Bucht mit Stegen und Moorings nur so vollgepflastert und die Hafenpromenade gleicht einem Bienenkorb. Für mich war in Port Sóller immer das schönste mit der alten Straßenbahn den Berg rauf nach Sóller zu fahren. Die alte Tram gibt es zwar noch, ist aber eine reine Touristenattraktion wo die Leute Schlange stehen. Leider ist uns schon wieder die Zeit am davonlaufen und wir sind dann über Dejà und Valldemossa gleich weiter Richtung Palma gefahren. Jetzt waren wir schon einige Male segeln in und um Mallorca, und noch niemals waren wir am Ballermann. Diesmal musste es einfach sein. Kurze Zusammenfassung – es war laut, voll und hat allen Klischees entsprochen. Unmengen an gleichgekleideten Gruppen, ob jung oder alt, viele Betrunkene und noch mehr aufdringliche  schwarze Straßenhändler.

Playa de Arenal
Bierkönig

Der Strand war lustigerweise relativ leer, dafür die Bars umso voller. Wir waren sogar in der Schinkenstraße im Bierkönig – bereits am Nachmittag gesteckt voll, megalaute DJ`s, grölende Menge und GoGo-Girls auf den Tischen. Das Krügerl Bier 0,5l/€ 6,70 und die Mass 1,0l/€ 16,50  – wie blöd (besoffen) muss man da sein? Wir sind schnell wieder raus und sind gleich daneben in die Bar San Siro (eine geniale Tapabar wo ganze Schinken von der Decke hängen) auf ein Bier (0,33l/ € 2,40) und eine Jamôn y queso-plato (€ 7,20) gegangen. Zwei Stunden haben  uns vollkommen gereicht um zu wissen wo wir sicher nie Urlaub machen werden.  Mallorca ist ein deutsches Außenbundesland, denn man hört hier mehr deutsch als spanisch (oder hier eigentlich Mallorqui (katalanisch)). Diese Insel hat auch wunderschöne und einsame Ecken und wenn man die touristischen Highlights meidet, ist es auch gar nicht so übel. Wir verstehen warum die Mallorquiner den Aufstand proben, denn in den letzten Jahrzehnten ist hier fast alles vermarktet worden und es werden noch immer auf jedem freien Plätzchen großzügige Apartmentobjekte für zahlungskräftige Ausländer gebaut.  

Spanien

Do. 01.05.2025 – Brieftaube auf Abwegen

Und mal wieder hatten wir einen Mitfahrer an Bord. Nur ein paar Meilen nach Pantelleria ist eine müde aber markierte Brieftaube aus Malta bei uns an Deck gelandet. Zuerst hat sie mal die Lage von der Saling aus gecheckt, ist dann aber recht schnell auf unserem Vordeck gesessen.

Keine Ahnung woher sie gekommen ist, aber sie wollte sicher wieder zurück in ihren Heimatschlag nach Malta – und wir segeln gerade in die falsche Richtung, was für ein Fehler. Natürlich haben wir ihr sofort Wasser und Futter hingestellt, das sie auch sehr dankbar angenommen hat. So wie sie die Sonnenblumenkerne vorne reingefressen hat, ist es auch hinten wieder rausgekommen. Wir waren die ganze Zeit nur am putzen, da der Kot sehr ätzend ist und unschöne Flecken auf Deck und Kuchenbude hinterlässt. Da wir für die Nacht stärkeren Wind und Wellen erwartet hatten und eine gute Brieftaube schon mal so an die 30.000,- € kosten kann, haben wir sie aus Sicherheitsgründen am Abend in einen Eimer gesetzt, ein Körbchen drüber und ins Cockpit gestellt, wo sie trocken und sicher verwahrt war. Bei Kap Maleas hatten wir einen kleinen gelben Vogel an Bord, der aber nicht den halbwegs sicheren Platz, im Relingsnetz für unsere Ersatzankerleine, angenommen hatte, sondern bei angehenden Sturm und Welle lieber zwischen den Fendern sitzen wollte. Am nächsten Morgen hatten wir dann ein Seebegräbnis für den armen toten Vogel – keine Ahnung ob ertrunken oder erschlagen. So ist es unserem Täubchen zum Glück nicht ergangen und am nächsten Morgen hat es wieder munter übers Deck spazieren dürfen (war etwas flugfaul das Vögelchen). Am nächsten Abend ist es dann schon freiwillig in den bereitgestellten Eimer gehüpft. Nach vier Tagen und einem halben Kilo Sonnenblumenkernen (jetzt habe ich nichts mehr fürs Brotbacken ;))  dürfte das Täubchen dann wieder genug Kräfte gesammelt haben und ist Richtung Osten davongeflogen. Wir hoffen es kommt gut wieder nach Hause. Wir haben dem deutschen Zuchtverband auf jeden Fall mal über den Zwischenstopp der Brieftaube “2543 Malta 2023“ Bescheid gegeben – mal schauen ob die es weiterleiten und wir irgendwann eine Rückmeldung erhalten.

Passatbesegelung
tunesisches Fischerboot
Millionen von Portugischer Galeeren
immer dem Westen entgegen

Diesmal hat das Wetterfenster zu unserem Erstaunen länger durchgehalten als erwartet und wir sind schweren Herzens an Sardinien vorbeigesegelt und haben stattdessen gleich Mallorca angepeilt. Kurz nach Sonnenuntergang, gerade noch bevor es ganz dunkel war, sind wir in Porto Colom  eingelaufen. Nach viereinhalb Tagen auf See, bei einem super Vorwindkurs, aber extrem rollenden Schiffes, sind wir erst mal in den wohlverdienten ruhigen Schlaf gesunken. Weitere Erlebnisse aus “Malle“ folgen!

Italien

So. 27.04.2025 – Pantelleria

Jetzt sind wir doch schon wieder eine gute Woche hier und heute sehen wir endlich ein Wetterfenster um mal wieder ein paar Meilen Richtung Westen zu kommen. Abgesehen davon wir kennen uns jetzt schon sehr gut aus und da ist es immer ein Zeichen, dass man wieder weiter muss. Relativ flott war unser Ritt von Malta nach Pantelleria. Es war zwar anfangs noch kaum Wind, sodass wir die Maschine haben mitlaufen lassen müssen, aber dann ging es richtig schön mit 10-15 Knoten achterlichem Wind nur so dahin.

ganz alleine
Pantelleria
Hauptstadt
alles vulkanisch

Pantelleria liegt wie so ein dahingeworfener schroffer Lavabrocken mitten in der Meerenge zwischen Sizilien und Tunesien und hat zirka 7.000 Einwohner. Wir sind gerade noch so vor dem sich bereits wieder anschleichenden Nordwestwind im Hafen eingelaufen. Hier ist alles sehr überschaubar und zu unserer Verwunderung auch sehr leer. Wir sind das einzige ausländische Segelboot im Hafen. So können wir es uns aussuchen ob wir im alten Hafen (direkt bei der Hafenpromenade) liegen wollen oder doch etwas ruhiger im neuen Hafen. Wir entscheiden uns für den etwas längeren Fußweg und machen uns am Betonpier des neuen Hafens fest.

Spiegel der Venus
direkt aus dem Erdinneren
alles blüht
Thermalpools in Gadir
Arco dell` Elefante

Unser erster Eindruck ist, dass vieles hier etwas heruntergekommen und verfallen ist, fast ein bisschen morbide. Aber trotzdem hat es seinen ganz eigenen Charme und die Leute sind absolut entspannt und freundlich. Viele quatschen uns einfach so auf der Straße an, kann natürlich auch daran liegen das noch keine Saison ist und noch viele Geschäfte geschlossen sind. Im Sommer dürfte hier auf der Insel aber so richtig der Bär rocken. Viele der “Reichen und Schönen“ zieht es auf dieses Eiland für ein paar Tage Entspannung. Da hört man dann in der Bar oder Trattoria Geschichten von Eros Ramazotti und Giorgio Armani oder reichen russischen Oligarchen, die es so richtig krachen lassen und an einem Wochenende schon mal 100.000 Euro hier liegen lassen.

Montagna Grande
Wie im Nebelwald
Dammuso

Auf der Westseite der Insel stehen auch einige Luxusimmobilien, die aber trotzdem meistens im typischen Dammuso-Stil gebaut sind. Witzig ist, dass obwohl die Leute hier von den „Berühmtheiten“ profitieren, sie trotzdem bodenständig geblieben sind und auch  Leute wie uns akzeptieren. Wir haben uns natürlich auch wieder für die Inselrundfahrt ein Auto gemietet. Wir sind erst mal die Ostküste zum Lago di Venere (Spiegel der Venus) gefahren. Es ist ein kleiner See entstanden in einem Vulkankegel, der von unterirdischen Thermalquellen gespeist wird und sich mit durchsickerten Meerwasser mischt. Angeblich soll der Schlamm Heilwirkung haben, wir haben es jedoch nicht ausprobiert. Weiter sind wir dann die wellenumtoste Küste mit seinen kleinen glasklaren Buchten, tollen Gesteinsformationen und immer  wieder dazwischen Plätze wo sich das noch immer aktive Erbe in Form von heißen Thermalquellen zeigt. Manchmal in gefassten Becken (Gadir, Nikà), aber auch als Natursauna direkt aus der Felswand wie in Benikulà. Man darf hier nie vergessen, wir sind noch im vulkanisch aktiven Bereich von Ätna, Vulkano und Stromboli. Baden ersparen wir uns im Moment noch, da das Meer erst erfrischende 19 Grad hat und wir unter 22°C nicht freiwillig schwimmen gehen. Anfangs haben wir uns gewundert warum es hier fast nur kleine zerschrammte Autos gibt, aber als wir von der gut ausgebauten neuen Küstenstraße in die Nebenstraßen abgebogen sind haben wir gewusst warum. Teilweise sind die Straßen so eng, dass man glaubt es geht dort nicht weiter, aber dann kommt noch der Gegenverkehr und man muss wirklich auf Millimeter ausweichen oder zurückschieben. Wie schon gesagt, die Insel ist eigentlich ein großer alter Lavabrocken und seine höchste Erhebung ist mit 836m der Montagna Grande, der um diese Jahreszeit aufgrund der Temperaturunterschiede meistens seinen Gipfel in Wolken versteckt – so auch bei uns. Es ist wie ein Feenwald, wenn man durch den Nebel wandert und die Flechten und Moose von den Bäumen hängen. Was auch sehr interessant hier ist, dass am Berg oben richtige Bäume stehen und je weiter man runter kommt die Vegetation immer niedriger wird aufgrund des fast permanenten Windes.

Weinstöcke zum Bücken
Olivennäume in Kniehöhe
Kapernbeeren
Kapernplantage
Kaktusfrüchte f. Likör

Die Weinreben und Olivenbäume sind hier eher Bodendecker, da kommt man bei der Ernte richtig Kreuzschmerzen.  Wir waren ja schon öfter in Sizilien segeln, aber bis hierher hatten wir es nie geschafft, was eigentlich schade war.   

ob dieser Hydrant noch funktioniert?
Flugplatz in exponierter Lage
Antipastiplatte
noch diesem Aperol bist du satt

Malta

Do. 17.04.2025 – Malta, Gozo u. Comino

Na gut die Überfahrt von Griechenland war nicht unbedingt angenehm, da die angekündigten Wind- u. Wetteränderungen meistens zeitlich wie auch stärkemäßig nicht übereingestimmt haben. Statt zu Mittag kam die Winddrehung erst am späten Abend und dafür in der Nacht aber über 40 Knoten wo nur 20 Knöpfchen hätten sein sollen. Man kann sich kaum mehr auf Prognosen verlassen. Aber egal, wir sind ja keine Weicheier und stehen so ein bisschen extra Geschaukle schon noch durch.

da muss man sich festhalten
im Sturm verloren
ein bisschen windig

Scheinbar dürfte die Flüchtlingssaison im Mittelmeer voll angelaufen sein, denn beim Kap Maleas sind vier Kampfjets direkt über uns rüber gedonnert und einer hat im Tiefflug noch einen Extrakreisel über uns gedreht.

Jeden Tag sehen wir Aufklärungsflugzeuge über uns kreisen, die die Aktivitäten auf See überwachen und hören die Funksprüche auf Kanal 16 über gesichtete Boote. Zum Glück haben wir bisher keines der Flüchtlingsboote getroffen, denn wir wüssten auch nicht wie wir ihnen helfen sollten. Wir hätten weder den Platz für 100 zusätzliche Personen (würden uns versenken), noch die sanitären oder auch medizinischen Möglichkeiten, abgesehen von den rechtlichen Problemen. Da kann man (auch wenn es gemein klingt) nur auf ausreichend Abstand bleiben und die Küstenwache bzw. NGO`s über die genaue Position in Kenntnis setzen.  Aber jetzt sind wir erst einmal in Malta angekommen. Wir waren ja bereits vor ein paar Jahren schon mal hier und daher kennen wir die Inseln ja bereits ein bisschen. Land und Leute sind eine interessante Mischung mit italienischen, englischen und vor allem arabischen Einflüssen. Klar alle Kulturen die in den letzten Jahrhunderten hier stark Einfluss genommen haben. Interessant sind die Flaggen, denn das weiße Georgskreuz auf rotem Grund dürfen nur Schiffe mit maltesischer Registrierung führen. Ausländische Schiffe haben als Gastlandflagge eine vertikal rot-weiße Flagge mit einem kleinen Kreuz.

Nationalflagge
Schiffsflagge f. registrierte Schiffe

Wir gönnen uns diesmal für ein paar Tage Roland´s Marina direkt in Valletta. Es ist schon angenehm wenn man von Bord steigen kann und direkt in der Stadt ist. Wir hätten nicht gedacht, dass schon derartig viele Touristen hier sein werden, aber die Straßen und Cafes sind voll und auch wir lassen uns auch durch den Trubel treiben. Aber irgendwann wollen wir dann doch wieder weiter und segeln gemütlich nach Comino und Gozo. In der traumhaften Dwejra Bay können wir leider nur für eine Nacht bleiben, denn für den erwarteten starken Westwind ist sie nicht geschützt genug. So “flüchten“ wir nach Mellieha Bay um dort auf ein gutes Wetterfenster für die Überfahrt nach Pantelleria zu warten.

Valletta am Abend
Valletta
St. John´s Cathedral
englisches Frühstück
Tarxien
Filmkulisse – Popeye Village
Marsaxlokk
Mellieha
Mdina
Dwejra Bay
Roter Turm
Wir wünschen euch FROHE OSTERN

Griechenland

So. 06.04.2025 – Monemvasia

Nicht nur über den Kykladen gab es in den letzten Tagen schwere Gewitter und Überschwemmungen.  Auch in Athen und am Festland des Peleponnes ziehen am Freitag schwere Gewitter durch. Wir haben Glück, denn wir schaffen es im Großen und Ganzen von Poros nach Monemvasia zwischen den Gewitterzellen hindurch zu segeln. Rundherum schwarze Wolken und es blitzt und donnert, aber der Wind bleibt zum Glück auch in der Nacht relativ gemäßigt.

Gewitterwalze über Hydra

Am nächsten Morgen stehen wir schon vor dem markanten Felsen von Monemvasia (irgendwie erinnert er ein bisschen an Gibraltar – so schroff und steil). Im Hafen liegen nur vier andere Schiffe und alle mit deutscher Flagge. Okay, nachher ist noch ein tschechischer Einhandsegler dazugekommen. Überfüllung sieht anders aus. Jedoch am nächsten Morgen sind alle wieder fort, sie wollten alle nordwärts ziehen, wir jedoch wollen nach Westen mit ein bisschen südlichen Touch. Der antike Name von Monemvasia war Minoa (was auf kretischen Einfluss hinweist) und war bis zum 20. Jahrhundert ein bedeutender Hafen und die letzte Anlaufmöglichkeit vor der Rundung des gefürchteten Kap Maleas, aber für uns ist es jetzt der letzte Stopp in Griechenland. Wir warten hier bis morgen, wenn dann der erwartete NO-Wind einsetzt und uns hoffentlich flott Richtung Süden weht. Heute sind wir aber noch die wunderschöne byzantinische Ansiedlung, die sich malerisch an die steilen Felsen anschmiegt, gewandert. Christoph ist noch bis auf den Gipfel gestiegen, ich habe mir inzwischen das nette Städtchen angesehen und einen letzten griechischen Nescafe-Frappe genossen. In der Saison ist hier ein touristischer Hotspot und sicher die Hölle los, aber jetzt sind wir fast noch alleine hier.  Ach ja, ein anderer Name für die Insel ist auch Malvasia, namensgebend für den starken und süßen Rotwein, der hier angebaut wird und sehr gut längere Schiffspassagen überstehen soll (aber nicht bei uns, da ist er schon vorher vernichtet). Nächster Halt ist in ein paar Tagen Malta. 

Wegbegleiter
alles blüht
Gephyra
einsam und alleine
ein letzter Nescafe-Frappe

Griechenland

Mi. 02.04.2025 – wieder auf dem Wasser

Anflug auf Athen
Anflug auf Athen

Seit Samstagabend sind wir endlich wieder am Schiff. Am Sonntag haben wir erst mal den ganzen Winterdreck von Deck gespült und alle Segel wieder angeschlagen und die diversen Leinen eingezogen. Am nächsten Tag war dann das UW-Schiff dran, Antifouling streichen, Schraube kontrollieren und schmieren und kleinere Ausbesserungsarbeiten, die sowieso immer anstehen. Wassertank und Gasflaschen wieder auffüllen und auch dem Innenleben des Schiffs mal einen Frühjahrsputz angedeihen lassen und alles wieder seetauglich verstauen. Gestern Abend sind wir bereits in den Kran gekommen und konnten so in aller Ruhe die letzten Auflagestellen am Rumpf mit Antifouling streichen. Heute Morgen ist es dann ruck-zuck gegangen und wir sind wieder im Wasser. Den ersten Schlag dieses Jahr segeln wir mit einem leichten Lüftchen, begleitet von einer Delphinschule, rund um Ägina, vorbei an Methana gemütlich bis nach Poros. Es ist einfach wunderbar in der Vorsaison unterwegs zu sein, es ist noch nicht so heiß und viel entspannter, obwohl doch mehr Segelboote als gedacht bereits die Wellen durchpflügen.

Gravitationsfüllung
letzte Flecken
knapp geparkt

Aber noch ein kleiner Rückblick – bereits im Dezember waren wir ja für zwei Wochen in Griechenland, denn nach drei Monaten Bootsabstinenz hatte es uns unweigerlich wieder aufs Schiff gezogen und was noch besser war, man kann sich so sehr geschickt dem gesamten Weihnachtswahnsinn und –trubel entziehen.

Weihnachtstrubel in Athen
Wachwechsel der Evzone
Erechtheion / Akropolis
Turm der Winde

So alle paar Monate brauchen wir das und außerdem hatten wir schon wieder einiges vorbereitet zum montieren und transportieren, bevor es im nächsten Frühjahr weiter geht. Mit dem eigenen Auto knappe 1.700 km über den Balkan düsen wollten wir nicht und die Fähren nach Griechenland gehen in den Wintermonaten nur ab Brindisi oder Bari (d.h. im Endeffekt nahezu die gleiche Fahrtstrecke) – also für uns auch keine Option. Was bleibt dann noch – eigentlich nur der Blechvogel und für die Mobilität vor Ort ein Mietauto. Flott was gebucht und schon sind wir in Athen gelandet. Im Sommer hatten wir uns ja den Besuch der Großstadt erspart, aber jetzt sind die Temperaturen mit 15 – 22 Grad gerade angenehm und natürlich auch die Touristenmassen halten sich sehr in Grenzen. Okay, es kann natürlich dazwischen auch mal regnen und auch der Wind bläst hin und wieder ganz ordentlich, aber dafür gibt es ja Mützen und Jacken. An den schönen und windstillen Tagen sitzen wir dann aber auch locker mal mit T-Shirt im Gastgarten vor der Taverne (Griechen sitzen prinzipiell immer draußen) bei einem traditionellen Kaffee oder Ouzo. So genießen wir auch die Feiertage, besteigen die Akropolis, wandern durch die zahlreichen Ausgrabungen und lassen uns für ein paar Tage durch den Weihnachtstrubel Athens treiben. Da wir aber nicht nur zum “Vergnügen“ hier sind, haben wir uns ein Mietauto geschnappt und sind mit der Fähre von Piräus nach Ägina geschaukelt.

Akropolis
Athen
Hochland Peleponnes
reife Orangen

Im Moment zieht jedoch gerade eine fette Sturmfront durch und das schlägt natürlich ordentliche Wellen. Die Überfahrt war eigentlich ganz ok.  Wir kommen in den Hafen von Ägina, der Anker fällt, die Abfahrtsrampe senkt sich, hebt sich wieder, das Schiff dreht  und fährt wieder aus dem Hafen. Was ist passiert? Der Kapitän hat befunden, dass die seitlichen Wellen zu stark sind und ist einfach wieder nach Piräus zurückgefahren. Also gegen Abend ein neuer Versuch bei einer anderen Schifffahrtslinie, die uns dann glücklich zu unserem Ziel gebracht hat. So kann man auch einen ganzen Tag mit Schifferlfahren verbringen. Wir müssen in der Nacht erst mal unser Boot zwischen den vielen anderen  Schiffen finden, denn als wir im August das letzte Mal hier waren, war es noch viel leerer und wir sind zwischenzeitlich umgestellt worden. An Bord war alles ok, die Entfeuchtungsbehälter hatten super funktioniert und auch tierische Freunde haben bei uns an Bord kein Winterlager aufgeschlagen. Zwei Tage sind wir mutterseelenalleine in der Marina geblieben und dann sind wir mit der Fähre nach Methana übergesetzt. Diese Halbinsel hat den Vorteil, dass man von dort direkt auf den Peleponnes zu den ganzen antiken Ausgrabungsstätten fahren kann. So haben wir uns mal den Korintherkanal mal von oben angesehen, waren nach Jahren mal wieder in Mykene, Nafplion, Sparta, Olympia, … und alles relativ alleine.

gut und saftig
das gibt wieder jede Menge Ölivenöl
Mykene
Löwentor / Mykene
Festung Nafplio
Bucht von Navarino
Nafplio
Olympia
Badefreuden

Das schönste ist aber, dass um diese Jahreszeit gerade die Pistazienernte in Ägina ist, die Orangen im Argostal bei Mykene reif sind und natürlich die Olivenernte bei Kalamata. Alles ist beschäftigt und überall sind die Leute bei der Ernte. Auch baden geht um diese Zeit noch, das Meer hat noch knackige 19 Grad, was die Griechen aber nicht davon abhält. Aber auch Skifahren ist um diese Zeit ein großes Thema, es gibt doch einige sehr nette Schigebiete auf den bis zu knapp 2.400m hohen schneereichen Gipfeln des Zentral- bis Nordpeleponnes. Schon ein Widerspruch, liegen am Strand unterm Sonnenschirm und schwimmen im Meer mit Blick auf schneebedeckte Berge – Griechenland ist einfach wunderbar.  

Griechenland

Do. 15.08.2024 – Tempel, Theater und antike Ruinen

Poseidontempel / Poros

in Griechenland ist fast jeder Stein archäologisch wichtig. Man kann kaum einen Schritt machen ohne nicht über irgendwelche Relikte aus früheren Epochen zu stolpern. Fast überall gibt es mehr ohne weniger gut erhaltene “Steinhaufen“, die irgendwelchen Göttern geweiht sind. Bei den besser erhaltenen Tempelanlagen zahlt man Eintritt, wenn jedoch nur mehr ein paar Mauerreste  vorhanden sind, muss man zwar oft die Stelle erst suchen, dafür ist aber dann auch kein Eintritt zu berappen. Aufgrund der übermäßigen Hitze wurden die Ausgrabungsstätten oft bereits schon wieder zu Mittag geschlossen.

Athena Aphaia / Aegina

Wir sind, sofern wir uns doch mal aufgerappelt haben auf touristischen Pfaden wandeln zu wollen, immer so früh wie möglich aufgebrochen. Das haben wir in Korfu, am Acheron, in  Lefkada, Korinth, Ägina, Kea, Poros  sowie auch Epidaurus so gehandhabt, dann ist es noch nicht so extrem heiß und es sind auch noch weniger Besucher dort. Wenn wir dann so zwischen 10 und 11 Uhr wieder zur Meeresbrise aufs Boot geflüchtet sind, sind erst die geführten Reisegruppen angetrabt.

Sunken City / Epidaurus

Uns hat`s in der Früh schon die Sicherungen durch geknallt, wie muss es dann erst zu Mittag mitten inmitten der heißen Steinen sein – ich will es gar nicht wissen. Angenehm sind natürlich für uns antike Stätte die direkt am oder im Meer liegen. Beim Poseidon-Tempel am Kap Sounion haben wir für ein paar Tage direkt darunter geankert und hatten ihn so zu jeder Tages- u. Nachtzeit im Blickfeld oder auch die Sunken City of Ancient Epidaurus, die man schnorchelnd erkunden kann. Es ist einfach angenehmer unter dem großen Sonnensegel im Cockpit zu liegen und gelegentlich zur Abkühlung ins Meer zu springen, als schweißgebadet und durchgebraten durch antike Steine zu hecheln.

Cave Peristeri / Methana

Eigentlich wollten wir uns ja im großen Amphitheater von Epidaurus mit seiner einzigartigen Akustik eine Vorstellung ansehen, es war aber nur ein griechisches Drama von der Company of Comédie-Française am Programm und das war uns dann doch etwas zu anstrengend, da sind wir lieber zu einem griechischen Liederabend von der großartigen Eleonora Zouganeli  ins Little Theater of Epidaurus gegangen.

Pausinas Bath

Auch dort ist eine wunderbare Akustik und die Steinsitze sind genauso hart. In Poros sowie Methana haben wir uns Motorräder gemietet und haben uns mal so richtig den Fahrtwind um die Nase wehen lassen und zur Abkühlung immer wieder mal einen kurzen Sprung ins türkisblaue Meer. Obwohl in Methana war es nicht so, denn es ist eine der wenigen noch vulkanisch aktiven Inseln. Da legt man sich dann auch mal bei 35 Grad Außentemperatur in Pausinas Baths mit 36 Grad warmen Schwefelwasser oder klettert in die Cave Peristeri und steigt ab in die Karsthöhle mit kristallklarem Wasser und extremen Sprungschichten (da sich Salz- mit Süßwasser kaum mischt). Dann schwingt man sich wieder auf den Bock und fährt durch dichte Wälder an den Vulkanhängen entlang.

Amphitheater / Epidaurus

Obwohl die Insel in der Nähe von Poros und gar nicht weit von Athen entfernt ist, gibt es kaum Touristen dort (liegt vielleicht auch am allgegenwärtigen leichten Geruch von faulen Eiern). Langsam neigt sich unsere Zeit am Schiff für dieses Jahr dem Ende zu – wir haben unser Schifferl bereits an Land gestellt, Segel abgeschlagen, Ausbesserungsarbeiten erledigt, die Tanks entleert und alles geputzt und konserviert.

Jetzt genießen wir noch die letzten paar Tage Urlaub am Strand und düsen mit dem Moped über die Insel bevor unser Flieger in die Heimat abhebt.  Aber es ist ja noch nicht aller Tage Abend, wir kommen wieder keine Frage!

Ciao – bis zum nächsten Jahr

Griechenland

Do. 25.07.2024 – Saronischer Golf und Ostküste des Peloponnes

Wir schaukeln in der Inselwelt des saronischen Golfs, zwischen Festland und Peloponnes, herum bis dann Mitte Juni unsere Freunde Sabine und Joachim für zwei Wochen bei uns aufgeschlagen sind.

Eigentlich wollten wir ja mit den Beiden in die Kykladen segeln, aber leider hat ein Starkwindsystem das nächste gejagt und diesen Plan unmöglich gemacht. In den Wind- u. Wetterkarten war dieser Bereich immer orange bis rotgefärbt und da die Beiden noch Segelnovizen sind wollten wir ihnen zuliebe keine zu großen Experimente wagen.  Aber macht ja nichts, dann kommt eben Plan B zum tragen und wir fahren mit ihnen in den parallel zum Festland liegenden schmalen Golf von Euböa, der vor dem vorherrschenden Meltemi etwas geschützter sein sollte. Der Meltemi ist ein sehr starker, meist trockener NW bis NO-Wind der vom griechischen Festland bis Kreta in den Sommermonaten bläst.

Der Name ist türkischen Ursprungs und heißt ironischer weise so viel wie Brise o. sanfter Wind. Davon haben wir aber nichts bemerkt. Von Porto Raphti/ Festland nach Marmari/ Euböa hat Aiolus mit Spitzen bis zu 52 Knoten ganz ordentlich gehustet. Allerdings haben sich unsere beiden Lichtmatrosen recht tapfer gehalten, zwar waren sie etwas ruhig und weiß ums Näschen, aber sie haben erstaunlicherweise keinen Würfelhusten bekommen – Hut ab! Zum Glück haben wir einen sicheren Platz am Pier ergattern können und uns somit nasse Dinghyfahrten an Land erspart, da sogar im Hafen die Wellen von weißen Schaumkrönchen geziert waren.

Aufgrund der Trockenheit und des starken heißen Windes  sind rundherum viele Flächenbrände ausgebrochen und permanent ist der Löschhelikopter geflogen und hat Wasser aus der Bucht getankt – die Flugkünste dieser Piloten sind schon bewundernswert. So niedrig über das Wasser zu fliegen und das bei diesen Böen und dann im Eilzugstempo wieder zurück zu den lodernden Flammen. Was müssen diese Männer/Frauen für stählerne Nerven und ruhige Hände haben.

Kap Sounion

Nach vier Tagen im Hafen haben wir uns wieder raus gewagt und sind nach Kea gesegelt und von dort dann Richtung Kap Sounion zum beeindruckenden Poseidon-Tempel hoch auf der Klippe. Viel zu kurz war die gemeinsame Zeit und schon waren die Beiden wieder weg. Wir sind jedoch in dieser Gegend geblieben, denn es gefällt uns ungemein gut in den stillen Buchten und einsamen Inseln des Peloponnes und es hetzt uns ja keiner. Wir haben nichts gestohlen und sind daher auch nicht auf der Flucht oder machen bei keinem Marathon um die meisten Seemeilen oder weiteste Entfernung mit. Wir genießen Hydra, eine sehr gebirgige Insel mit unzähligen kleinen Mini-Inselchen davor, wo es keine Straßen gibt und noch alles per Eseln, zu Fuß oder mit Booten transportiert wird.

Es schwirren zwar unzählige kleine schnelle Taxiboote, die wie ihre großen Schwestern mit orangem Rundum-Licht ausgestattet sind herum aber das stört nicht sonderlich. Besonders interessant ist, dass es eine eigene Helikopter-Insel gibt, d.h. die Leute werden mit einer Fähre zu der kleinen Insel gebracht, wandern dann rauf bis zum Landeplatz und warten bis der bestellte Heli kommt. Wir fühlen uns hier so richtig wohl, weil es außerhalb des Hauptortes kaum Tourismus oder Häuser gibt. Meistens haben wir die Buchten ganz für uns alleine. Sogar noch zwei Wochen nachdem ein gechartertes Motorboot mit einem Feuerwerk ein Wäldchen abgefackelt hat, glost und raucht es dort noch immer.

Schon zweimal haben wir kurz in Poros oder einer anderen kleinen Ortschaft Halt gemacht um unseren Kühlschrank und die Schapps wieder aufzufüllen und uns in einer der Tavernen verwöhnen zu lassen. Wir fahren dorthin wo der Wind uns hin bläst abseits der Charterrouten, genießen das warme glasklare Wasser und die Einsamkeit. Es gibt nichts Schöneres bei der Hitze (auch in der Nacht kaum unter 30 Grad) als im Cockpit unter freiem Sternenhimmel zu schlafen und in der Früh durch Seevogelrufe geweckt zu werden.

Griechenland

Sa. 25.05.2024 – Kanal von Korinth

Schon der ganze Weg entlang der Festlandküste zu den Nord-Ionischen Inseln ist einfach traumhaft. Sehr oft hatten wir malerische einsame Buchten ganz für uns alleine oder es gab einen kleinen Hafen oder Pier, der meistens frei benutzbar war, weil während des Baues die EU-Gelder ausgegangen sind und er nie ganz fertiggestellt wurde.

In jedem kleinen oder auch größeren Dorf gibt es zumindest einen Minimarket und eine Taverne. Da die Griechen selbst auch gerne essen gehen oder in der Bar sitzen, gibt es immer viel Kontakt zu den Einheimischen. Da wir noch immer in der Vorsaison sind, sind die Leute auch noch sehr entspannt und freundlich, vielerorts werden am Strand bereits die Sonnenschirme repariert und die Liegen aufgestellt und das alles mit einer Seelenruhe – Stress gibt es hier einfach nicht.

Die Insel Levkada ist nur durch eine Drehbrücke vom Festland getrennt. Jede volle Stunde wird diese kurz für durchfahrende Schiffe geöffnet. Wir haben gleich dort am Pier gegenüber  der mittelalterlichen Festung fest gemacht und sind die rund eineinhalb Kilometer entlang der Salzmarschen in die Stadt gewandert. Levkas ist seit langem wieder mal eine richtige Stadt mit Chaterbasis, Marina, unzähligen Restaurants, Fußgängerzonen, vielen Geschäften u. Supermärkten und allem was man so glaubt zum Leben zu brauchen – uns war`s fast ein bisschen zu touristisch.

Bereits im 7. Jh. v. Chr. wurden von den Korinthern Kanaldurchstiche gebaut, wovon heute noch einige Ruinen von Kanalbetten und Brücken zeugen. Der Kontrast der steilen kargen Gebirgszüge des Festlandes und der kleinen bewaldeten Inseln ist wunderschön. Hier sind viele Inseln im Privatbesitz wie z.B. Skorpios, die Privatinsel des bereits verstorbenen Aristoteles Onassis, die man heute noch nicht betreten darf. Langsam kommen wir aber in die Gegenden wo auch Chartercrews fahren – man merkt sofort den Unterschied, die Leute werden reservierter, die Essensportionen kleiner und die Preise höher. Da wir ja meistens weiter draußen ankern, schauen wir uns die oft skurrilen Anlegemanöver der Charterschiffe gerne von der Ferne an – das soll aber nicht heißen, dass wir ihnen nicht helfen wollten, sie lehnen die Hilfe jedoch meistens ab und krachen lieber irgendwo rein.

In Galaxeidi hatten wir so eine typische Situation. Gegen Abend kommt ein Charterschiff herein und die Hafenmole ist bereits voll, da bleibt ihnen nichts anderes übrig als in der relativ weiten und sicheren Bucht zu ankern. Jedoch sollte man immer auf den Wetterbericht hören, denn es waren da bereits starke Windböen und weitere Gewitter mit Starkwind für diese Nacht vorhergesagt. Wir und einige andere Yachties sind an Bord geblieben, diese Crew jedoch nicht. Anker rein, nicht eingefahren und zehn Minuten später sitzen schon alle im Beiboot und fahren zum allabendlichen Festschmaus. Nicht einmal der Skipper ist bei diesem Wetter an Bord geblieben. Wir sind querab gelegen und schon nach kurzer Zeit sehe ich wie das Schiff auswandert. Wir versuchen mit Leuchtsignalen und über Kanal 16 (allgemeiner Rufkanal) die anderen Schiffe vor der driftenden Yacht zu warnen, aber scheinbar dürften die wenigsten den UKW-Funk in der Nacht aufgedreht haben und wir hatten unser Dinghy bereits für die Abfahrt am nächsten Morgen abgebaut. Das Schiff ist quer durchs ganze Ankerfeld getrieben und hat zum Glück kein anderes Schiff erwischt. Genau als die Crew zurückkommt, hat  sich der rutschende  Anker scheinbar noch kurz vor der gegenüberliegenden Buchtseite in den Felsen verhängt, auf jeden Fall dürfte nichts Gröberes passiert sein – tja, wie es so schön heißt „mehr Glück als Verstand“.

Noch nie sind wir so viel unter Motor gefahren wie diesmal. Deswegen haben wir uns entschieden  die “Abkürzung“ durch den Golf von Korinth zu nehmen. So ersparen wir uns nicht nur gute 300 Sm gegen die vorherrschenden Winde, sondern auch viel Zeit und Diesel.

Ein paar Tage und Inseln später sind wir unter der riesigen Rion-Antirrion Hängebrücke die das Festland mit Patras, der größten Stadt am Peleponnes verbindet durchgefahren. Die Brücke ist erst 2004 fertiggestellt worden, ist aber bereits von Weitem zu sehen und mit ihren 2.252 m auch die längste Drahtseilbrücke der Welt. Man muss sich vorher anmelden und bekommt dann eine Durchfahrt zwischen den riesigen Pylonen zugewiesen. Es ist interessant, obwohl es jetzt die Brücke gibt, fahren noch immer die Autofähren im Pendelbetrieb, auf die man natürlich auch immer ein Auge haben sollte, denn die Brückenmaut ist genauso teuer wie die Fähre – das soll noch jemand verstehen ?!?

Pegasus – das Wappen von Korinth

Korinth ist eine moderne aber trotzdem gemütliche Stadt. Wir haben hier unsere Vorräte wieder ein bisschen aufgestockt, die Seele etwas baumeln lassen und uns für die Kanaldurchfahrt angemeldet.

Einfahrt in den Kanal von Korinth

Woow … das war jetzt wirklich beeindruckend. Der Kanal von Korinth ist relativ schmal und hat einige Untiefen in Ufernähe durch immer wiederkehrende Felsstürze. Rechts und links ragen die Fels- und Kalksteinwände fast 80 m hoch auf und man muss wegen der Strömungen und Verwirbelungen gut aufpassen, aber trotzdem hatte ich doch noch genug Zeit um auch die architektonische Meisterleistung zu bewundern, wie der Kanal in den Feld geschnitten wurde. Schon in der Antike hat man die Schiffe über die Meerenge vom korinthischen in den saronischen Golf mittels einer Schleifbahn, dem Diolkos, transportiert (es gibt sogar noch Überreste auf der N-Seite).

Viele römische und griechische Herrscher machten Pläne für einen Kanalbau, jedoch nur Nero begann wirklich zu graben und wie es immer ist, ist mal wieder ein Feldzug dazwischen gekommen und Geld und Arbeitskräfte wurden anderweitig gebraucht. Erst 1893 wurde der Kanal dann von zwei ungarischen Ingenieuren fertiggestellt und im 2. WK von den Deutschen schwer beschädigt.

Baustelle vom letzten Erdrutsch

Auch jetzt noch verursachen Felsstürze immer wieder Sperren von mehreren Monaten bis Jahren. Vom letzten Erdrutsch im Jänner 2021 zeugt noch eine riesige Baustelle in der Mitte des Kanals. Auch wenn das die teuersten Meilen waren, ausgezahlt hat es sich auf jeden Fall.

Griechenland

So. 19.05.2024 – nicht immer läuft alles nach Plan

Auch wenn viele glauben, dass wir nur herumliegen und uns mit einem Retsina in der Hand die Sonne auf den Bauch scheinen lassen – so ist es auch wieder nicht. Ein Schiff muss immer gepflegt und permanent ausgebessert werden um auch weiterhin so „perfekt“ auszusehen.

Das fängt an mit dem allgegenwärtigen Rost (bei Stahl eh klar) und geht über Wartungsarbeiten an der Maschine, Ankerwich, Außenborder,… bis zu Näharbeiten an Segeln und Kuchenbude. Immer wieder fallen uns Verbesserungen ein, wie man sich das Leben bzw. gewisse Abläufe doch noch ein bisschen einfacher machen könnte.

pressen der neuen Reling

Jetzt zum Beispiel ankern wir in den Inseln und bei drehenden Winden und tiefem Ankergrund müssen noch zusätzlich Landleinen ausgebracht werden. Bei einer 150m langen, bockigen 20mm-Leine dies ohne Wuling (unlösbaren Knoten) hinzubekommen ist schon eine Challenge. Wir haben da unsere patagonische Lösung – eine Netztasche an der Reling wo die Leine meanderförmig reingelegt wird und relativ problemlos ohne zu verknoten ausrauschen kann.

Oder der Reißverschluss an der Kuchenbude wird alt und zahnlos und lässt sich nichtmehr öffnen. Dann baut man halt das ganze Teil ab, packt die Nähmaschine und den UV-beständigen Faden aus, hofft dass man den richtigen Zipp dabei hat und versucht im Cockpit sitzend sein bestes. Wenn ich bedenke wie viele Ersatzteile und Reparaturutensilien man so mitschleppt, aber wenn man dann etwas braucht ist man dann froh über sein „Messi-Dasein“.

Ich glaube jedes Schiff hat eine nahezu unendliche ToDo-Liste und wenn man dann mal wieder irgendwo festhängt, weil Wind und Wetter einem die Weiterfahrt vermiesen, ist mal wieder Zeit sich auch um die Maintenance des Schiffs zu kümmern – schließlich soll es uns ja auch sicher und gut von einer Küste zur anderen bringen. Das Weiterkommen ist derzeit nicht so einfach, weil sich die langjährigen Wetterprognosen und Strömungen weltweit  immer mehr verändern.

Ausmessen für das Dinghycover

Schon seit Tagen haben wir diesiges Wetter und extrem viel Sand in der Luft, obwohl kaum Wind ist (und wenn meistens aus der falschen Richtung oder wir haben das falsche Ziel – sollten wir mal überdenken?!?) Wir sehen die Sonne und die umliegenden Inseln wie durch einen Weichzeichner.  Aber keine Sorge wir sind grundentspannt und erfahrene Seebären –  und so schnell haut uns nichts um.

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