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Portugal

Di. 28.04.2026 – Porto

Leider muss Christoph aus beruflichen Gründen diesmal für ein kurzes Gastspiel  nach Hause und wir haben unsere Flüge aber ab Porto gebucht. Somit beobachten wir mit Argusaugen die Wetterberichte und auch diesmal haben wir mal wieder echt Glück. Kurz nachdem wir von unserer Rundreise zurück sind, hat sich zu unserer Freude doch noch ein Wetterfenster mit Südost-Wind angekündigt und genauso wie wir bei Regen nach Lissabon eingelaufen sind, so laufen wir gegen Abend, zwar mit leichtem Regen, aber schöner mitlaufender Strömung des Tejo auch wieder aus  (tja, bei Südwind ist dort eben meistens kein Sonnenschein). Mit einer schönen steifen Brise über Nacht sind wir gut vorangekommen.

Beim Morgenkaffee ruft Christoph plötzlich – sofort Genua einrollen! Was ist passiert? Eine Wurmschraube, die das Profil unserer vorderen Rollanlage zusammenhält, ist korrodiert und rausgefallen, damit ist die ganze Leiste auseinandergerutscht und hat uns einen schönen Riss im Vorsegel beschert. Zum Glück haben wir es noch rechtzeitig bemerkt bevor das ganze Segel kaputt ist. Na ist ja nicht so schlimm, wir haben ja zum Glück noch eine zweite Genua mit Rollanlage.  Gutes Timing ist wichtig und so sind wir pünktlich zum Sonnenaufgang vor Porto gestanden. Nachdem wir uns bei der Marina de Leixoes  angemeldet haben sind wir erst einmal den langen Strand bis zum Leuchtturm (Farol de Leca) gewandert, ja nach dem langen sitzen an Bord tut Bewegung mal wieder richtig gut.

Pilger
damit geht`s gut

Zuerst wundern wir uns noch über die vielen Leute mit Rucksack, die in schier endlosen Gruppen hier langwandern, bis wir die baumelden Jakobsmuscheln sehen.  Hier beginnt nämlich der Camino Portugues nach Santiago de Compostela und der dürfte sehr beliebt sein. Gut so weit wollen wir an diesem Tag doch nicht gehen und kehren nach einer angenehmen Rast in einer der Strandbars wieder um (da segeln wir doch lieber hin).  Die Küste hier ist perfekt für Wellenreiter, wie sie auch ansehnlich beweisen. Nicht umsonst heißt dieser Küstenabschnitt auch die Todesküste, denn hier liegen Unterwasser unzählige Wracks von Schiffen die in Seenot geraten sind und an den Felsen zermahlen worden sind.

Am nächsten Tag bringen wir unser kaputtes Segel zur Reparatur und lassen uns vom Taxifahrer gleich mal direkt in die Stadt bringen. Porto ist die kleine Schwester von Lissabon, aber nicht weniger steil. Wir schnaufen bei unserer Besichtigungstour die engen kleinen Straßen mit vielen Stufen rauf und runter und dazwischen gibt es immer wieder eine kleine Pause mit einem Glaserl Portwein oder auch zwei.

Irgendwie gefällt uns Porto besser als Lissabon, denn es geht hier viel relaxter zu und ist zudem auch viel günstiger als die große Schwester.

die Ruderer kennen nichts

   

Portugal

Mo. 20.04.2026 – Algarve

Da sich noch immer kein Südwind einstellen will und wir sowieso auch noch den Süden Portugals ansehen wollten, haben wir uns für vier Tage ein Mietauto genommen. Wir haben die letzten  30 Jahre schon oft günstige Angebote wahrgenommen und bisher auch nie schlechte Erfahrungen gemacht, aber diesmal haben sie uns wirklich eiskalt erwischt (irgendwann musste es ja mal passieren). Ok, man muss bei “Billiganbietern“ wirklich vorher jeden auch nur so geringen Schaden dokumentieren und bei der Rückgabe vielleicht ein bisschen diskutieren, aber das war nie wirklich ein Problem. Diesmal sind wir aber mal voll erwischt worden. Zum Flughafen sollte alle 15 Minuten ein Shuttle kommen, wir und auch andere haben schon mal über eine halbe Stunde gewartet. Dann sind wir ins absolute Nirgendwo in einer Industriegegend gekarrt worden und ein “Kundenberater“ von Klaas Wagen hat uns erklärt, dass der bereits bezahlte Betrag nur für die Reservierung über booking.com war und wir nochmals für die vier Tage € 95,– mit Selbstbehalt € 1.600,– bezahlen müssen oder € 155,– ohne SB. Normalerweise wären wir sofort irgendwo anders hingegangen, nur waren wir ja mitten im Nirgendwo.

Die Option das sie uns zum Flughafen zurückbringen hat der “Verkäufer“ gleich mal abgelehnt. Zähneknirschend haben wir dann den neuen Vertrag unterschrieben und gut war es. Der kleine Fiat 500 Hybrid hatte schon 180.000 km am Tacho und hat sich angehört wie der kleine Bruder eines Porsche. Wir haben trotz Versicherung alles kleinlichst genau dokumentiert und sind “vom Hof“ gerollt. Die Kupplung hat geharkt und der Bordcomputer hat gemeldet das der Hinterreifen Luft verliert (was nicht gestimmt hat), aber die vier Tage hat der Kleine brav durchgehalten. Trotzdem Warnung – die Finger weg von Lockangeboten der Fa. KLAAS WAGEN !!!!! Wir sind dann erst einmal über die 17 km lange und echt beeindruckende Ponte Vasco da Gama quer über das Tejo-Delta nach Setubal und dann weiter die Costa de Gale und Costa Dourada entlang bis nach Sagres. Dort ist für uns ein magischer Ort wenn wir vom Atlantik kommen – nämlich das Cabo São Vicente, der südwestlichste Zipfel Europas, wo wir diesmal erstmalig von Land aus den Sonnenuntergang sehen (normalerweise segeln wir immer zum Sonnenaufgang vorbei).

jhdr

Weiter geht es dann die nächsten Tage die Algarve über Lagos, Portimão, Albufeira, Faro immer an den feinen weißen Sandstränden und schroffen Klippen entlang. Von dort aus fahren wir durchs Landesinnere über wunderbar grüne Hügel mit unendlichen Korkeichenwäldern und unzähligen Storchennestern bis nach Évora.

Es ist einer der ältesten Handelsplätze und Herrschersitz der iberischen Halbinsel und  hat dementsprechend viele historische Gebäude, maurische Plätze und römische Ruinen. Ich wollte unbedingt noch zum Cristo Rei, der Christusstatue die weithin sichtbar Lissabon scheinbar in die Arme nimmt. Als wir kurz vor der “Ponte 25 de Abril“ Richtung der Statue abbiegen, sehen wir plötzlich Nebelschwaden vom Meer her aufziehen und innerhalb von Minuten ist die Sicht gleich Null.

Nur gut dass ich nicht vorher schon die Tickets bestellt habe, denn außer der fehlenden Sicht wäre auch  die Wartezeit für den Lift zirka eine Stunde gewesen. So haben wir uns dies erspart, hat uns aber auch nicht viel geholfen, denn wir sind dann 100m vor der Mautstelle der Brücke über eine Stunde im Stau gestanden , weil auf der Brücke zwei schwere Unfälle waren und die ganze Brücke gesperrt war (umdrehen konnten wir leider dort auch nichtmehr). Aber trotzdem waren die Tage im Süden Spaniens einfach wundervoll!

Portugal

Mi. 15.04.2026 – Lissabon

Upps, wir stecken! Beim Einlaufen in die Marina hatten wir mal wieder richtig Action. Es ist schon bei kaum Wind nicht einfach mit einem Langkieler ohne Bugstrahlruder und drei Knoten Flussströmung in eine enge Einfahrt rein zu kommen, aber wenn man dann noch halb drinnen und halb draußen bei Gewitter und 30 Knoten Seitenwind mitten im Marinabecken im Schlamm stecken bleibt wird’s richtig lustig.

Zum Glück sind wir mit der Maschine wieder rückwärts rausgekommen und sind gerade noch durch das Ausfahrtsschleusentor direkt rein und haben uns am erstbesten freien Platz festgemacht. Vom Marinapersonal war da aber niemand zu sehen. Laut Hafenhandbuch sollte es mindestens 3 m Tiefe haben. Wir hatten vorher die Gezeitentabelle studiert und es hätte Mittwasser sein sollen, also eigentlich kein Problem für uns. Wie wir später im Office erfahren haben ist alles sehr versandet und Anfang Mai wird das ganze Becken wieder ausgebaggert, das ist zwar schön, hat uns da aber jetzt nicht gerade geholfen. Ein paar Tage später hören wir oberösterreichen Dialekt und neben unserem Schiff steht David mit seinen Youngsters – man glaubt es nicht, aber wir kennen uns seit 16 Jahren per E-Mail. Er hatte damals die Rancho Relaxo, ein Schwesterschiff unserer Taurus, dass ca. ein halbes Jahr nach uns auf dem Riff zwischen den Tuamotus und Tahiti aufgelaufen ist.  Wir sind damals relativ intensiv in Kontakt gestanden, haben uns aber nie getroffen. Jetzt stehen sie ebenso mit ihrem neuen Schiff in Lissabon, nur leider müssen sie bereits am nächsten Tag nach Hause fliegen und wir kommen nur kurz zum quatschen. Ebenso liegt neben uns ein wunderschönes Schiff, aber schwer eingedellt, unter britischer Flagge. Wie sich herausstellt sind es ebenso Österreicher, nur auch sie haben nur kurz Zeit, da auch ihr Flieger noch am selben Tag nach Wien abhebt. Dies dürfte scheinbar ein guter Platz sein um sein Schiff zu lassen.

Jetzt sind es doch schon wieder zwei Wochen die wir hier in Lissabon liegen. Die ersten paar Tage waren noch eher grauslich, kalt und regnerisch wegen der durchziehenden Front, aber dann ist es immer schöner und wärmer geworden und wir haben wieder die kurzen Hosen ausgepackt. Eine Jacke braucht man aber trotzdem immer mit, da es mit der Atlantikbrise schon ganz schön frisch werden kann. Und natürlich haben wir wiedermal Nordwind und der ist nicht so praktisch wenn man gegen Norden möchte. Aber ist ja egal, wir haben ja Zeit und hier ist doch noch so Einiges anzusehen. Auf jeden Fall sollte man gut zu Fuß sein, denn es geht immer bergauf oder Stiegen runter – am Abend sind wir dann immer rechtschaffend müde. So haben wir die Gegend kreuz und quer erkundet und  waren unter anderem auch, wie es sich für anständige Segler gehört, in Belem bei dem Monument für die portugischen Entdecker und im Museu da Marinha, gleich in der Nähe vom Mosterio dos Jeróimos.

Es widmet sich sehr stark der Eroberungsgeschichte der portugiesischen Seefahrt und seiner berühmt berüchtigten Kapitäne, sowie einer umfangreichen Schiffsausstellung. Trotzdem uns hat das Marinemuseum in Madrid sehr viel besser gefallen, weil es umfangreicher und vielfältiger war. Wir stehen ja im Expo`98-Gelände und da ist das Oceanário ja nicht weit.

Es hat uns wirklich begeistert, es mag vielleicht nicht das weltweit Größte sein, aber durch seine  extravagante Architektur und seinem über zwei Etagen gehenden, zentralen Wasserbecken mit 5 Mio. Litern Salzwasser in dem sich verschiedenste Haiarten, Rochen, Mantas und  riesige Schwärme anderer Fische tummeln, ist es schon beeindruckend. Daneben gibt es noch andere Becken mit Pinguinen, Ottern,… und für jede Klimazone ein Aquarium.

England

Mo. 06.04.2026 – von Gibraltar in den Atlantik

Drei Tage sind wir in La Linea, auf der spanischen Seite in der Bucht von Gibraltar, vor Anker gelegen, um auf das nächste Wetterfenster mit brauchbarem Ostwind zu warten.

Natürlich haben wir die Zeit auch genutzt um die kleine britische Enklave zu besuchen. Man kommt sich irgendwie vor wie in einem Asterix-Comic – und sie trotzen dem spanischen “Imperator“ mit ihrem Zaubertrank (Guinness). Es ist alles typisch englisch, aus Prinzip wird alles in Pfund angeschrieben und auf jeder Ecke hängt der Union Jack. Wir haben diesmal nur einen kurzen Ausflug dort hin gemacht.

Vollmond über Gibraltar

Sind über die Grenze d.h. über die Landebahn des Flughafens gewandert und haben uns in Gibraltar in einem Pub einen Cider und ein Guinness gegönnt. Die 8-Minuten-Fahrt mit der Gondel auf den 412m hohen Felsen haben wir uns diesmal erspart, denn 49,– brit.Pfund  (ca. € 55,–) pro Näschen sind kein Pappenstiel und die Tunnel und Äffchen dort oben kennen wir schon von früheren Besuchen und da war noch alles frei besuchbar. Lieber sind wir da noch am Abend in der wunderschönen Altstadt von La Linea in einer netten Tapa-Bar abgehangen. Bereits im Morgengrauen sind wir aufgebrochen um noch den Gezeitenstrom in den Atlantik mitzunehmen.

Niederholer gebrochen
immer ist was zum Reparieren

Bei Ceuta fahren wir dann vom Mittelmeer in den Atlantik. Man spürt es sofort, die Wellen werden höher und länger und wir fahren in eine Seenebelbank mit Sichtweiten unter 100 m, aber den Himmel sieht man. Es ist schon gespenstisch wenn plötzlich die Signalhörner der Großschifffahrt  von rundum ertönen und man nichtmehr verifizieren kann von wo es kommt und die Fischerboote urplötzlich aus dem Nebel neben einem auftauchen und wieder verschwinden.

AIS-Signale Straße v. Gibraltar

Aber zum Glück gibt es ja heutzutage AIS, wo man leicht die Position der Anderen ausmachen kann, früher war so etwas eher ein Himmelfahrtskommando. Vor Gibraltar haben wir uns noch zwischen den unzähligen auf Reede liegenden Tankern und Containerschiffen durchgeschlängelt, aber hier im Golf von Cadiz fahren uns die Monster und auch die großen Fischtrawler nur so um die Ohren, da heißt es  wirklich gut aufpassen. Bei den beeindruckenden Steilküsten Sagres mit seinen Wellenreitern und dem Cabo de Sao Vicente, dem südwestlichsten Leuchtturm Europas und gleichzeitig der Absprung in den Nordatlantik haben wir noch einen kurzen Ankerstopp eingelegt.

Ansteuerung bei Nacht – Cabo de Sao Vincente
Leuchtturm Cabo de Sao Vincente
Praia de Mareta

Jetzt heißt es flott zu sein, denn die Ausläufer des Tropensturms aus der Karibik bringen uns zwar derzeit schönen Südwind, aber auch viel Unbeständigkeit bei den Wetterprognosen. So rotiert die Sturmwalze den Atlantik rauf und es ändern sich die Vorhersagen fast täglich, aber wir schaffen es mit halbwegs passablem Wind in einem Rutsch bis nach Lissabon. Dort werden wir jedoch mit trüben und regnerischen Wetter empfangen.

Wir haben uns für die Marina Parque das Nacoes im ehemaligen Expo-Gelände entschieden. Ach ja, da sicher die Frage aufkommen wird, wir hatten bisher keine Orca-Begegnung, aber trotzdem einen Mitfahrer bis kurz vor Lissabon.

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